Wir leben in einer Arbeitswelt, die geprägt ist von Komplexität und ständigen Veränderungen. Was wir dennoch brauchen, sind feste Orientierungspunkte. Das gilt auch im unternehmerischen Umfeld, das besonders dynamisch ist. In dieser Situation gewinnen Sinn und Werte eine zentrale Bedeutung, insbesondere in der Organisationsentwicklung. Als philosophisch und existenzanalytisch geschulter Supervisor möchte ich die Verbindung von Sinnfindung und Werteorientierung in der Organisationsentwicklung genauer beleuchten.
Sinn und Werte als Fundament
Was geschieht, wenn ein Unternehmen seine Kultur auf gelebten Werten und einer klaren Sinnorientierung aufbaut? Es schafft ein positives Arbeitsklima. Wichtiger noch: Es fördert auch die Identifikation und das Engagement ihrer Mitarbeiter. Zentrale Werte für die Unternehmenskultur sind Fairness, Verantwortung und Authentitzität. Diese Werte bieten den Mitarbeitenden eine sicheren Rahmen, in dem das Miteinander unter den Mitarbeitenden gelebt werden kann. Die Sicherheit ermöglicht Resilienz gegenüber volatilen und komplexen Situationen im Außen. Nach außen hin signalisieren die genannten Werte die Glaubwürdigkeit des Unternehmens.
Viktor Frankls Denken angewandt auf Unternehmen
Frankl betrachtet den Menschen als Sinnsuchenden. Ohne Sinn keine Werterleben in der Welt. Was folgt daraus für Unternehmen? Mitarbeiter engagieren sich und bleiben resilient nur so lange, wie sie in ihrer Arbeit Sinn erkennen können. Wichtiger noch ist, dass die Mitarbeitenden selbst Sinn verwirklichen bzw. sich in der Arbeit verwirklichen können. Führungskräfte und Unternehmen als Ganze gewinnen dann an Authentizität, wenn sie selbst Werte umsetzen und Sinn erleben können. Diese gemieden, wenn Sinn und Wert als Norm gesetzt, nicht aber aus freiem Antrieb ergriffen werden.
Praktische Umsetzung
Wie lassen sich Sinn und Werte im Unternehmen verankern? Es gibt eine Reihe von erfolgreichen Maßnahmen:
* Dialog über Werte: Im Idealfall entwickeln Führungskräfte und Mitarbeiter*innen eine Wertbasis gemeisam und situativ immer wieder neu.
* Sinnzentrierte Führung: Das Unternehmen kann Eigenverantwortung und Entscheidungsfreiheit fördern und dabei auch eine positive Fehlerkultur etablieren.
* Teamsupervision: Teamleitung und Führungskräfte können durch Supervisor*innen Konflikte im Team lösen und die Zusammenarbeit unter Teammitgliedern verbessern helfen.
Fazit
Werden Werte gelebt, bieten sie eine Inspiration und Unterstützung, bleiben es leere Worthülsen, untergraben sie die Unternehmenskultur. Geht es nicht nur um Effizienz, sondern um ein authentisches Miteinander, kann sich die proaktive Gestaltung der Atmosphäre im Unternehmen auch auszahlen, ohne diese bloß quantitativ zu ermessen.


