Wie funktioniert Teamsupervision nach Viktor E. Frankl?

Red Bull setzt als Unternehmen auf die Herangehensweise Frankls. Teamsupervision angepasst an und begründet auf dem Denken Frankls stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Teamsupervision kann dann den Menschen dazu befähigen, Sinn und Verantwortung in seinem Leben und seiner Arbeit zu finden. Die Reflexion und Entwicklung von Teams kann von der Orientierung an Sinn und Verantwortung ganz grundlegend neu gedacht werden.

Natürlich kommt jeder Mitarbeitende in ein Unternehmen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Aber eine Arbeit, die nur darauf ausgerichtet wird, wird nicht lange ausgeführt, wenn nicht auch der „Wille zum Sinn“ angesprochen wird. Genau dafür ist in der Teamsupervision Raum und Zeit.

Drei Prinzipien kommen dabei zum Tragen:

1. Sinnfindung durch Reflexion

Wir können Frankls „Dreieck des Sinns“ (Kreativität, Erfahrung und Einstellungsänderung) in Teams anwenden, um die Mitglieder zu ermutigen und die sinnstiftende Dimension ihrer Arbeit zu erleben. Schlüssel dazu ist, eigenes Talent und Kreativität einzubringen. Gelebte Erfahrungen umfassen den Austausch mit den Teamkolleg*innen und die Einbindung in den umfassenderen Produktionsprozess. Manchmal lassen sich Situationen nicht verändern, dann bietet die Teamsupervision den Raum, um gemeinsam an der inneren Haltung zu arbeiten.

2. Verantwortung übernehmen

Ein weiteres Prinzip Frankls verbindet Freiheit mit Verantwortung. Mit diesem Prinzip als Grundlage, bietet die Teamsupervision den Raum, um Teammitglieder dazu anzuregen, Verantwortung für ihre Rollen und Entscheidungen zu übernehmen. Wenn Eigenverantwortung gestärkt wird, können Konflikte reduziert werden.

3. Überwindung von Herausforderungen

Schließlich zeigt Frankl, dass selbst unter widrigen Umständen Sinn gefunden werden kann. In der Teamsupervision kann durch diese Herangehensweise das Team unterstützt werden, Resilienz aufzubauen und schwierige Teamdynamiken konstruktiv zu bewältigen.

Frankls Prinzipien für die Teamsupervision angepasst, hilft, Dialog im Team zu fördern, um die persönliche Entwicklung und Teamzusammenhalt zu untersützen, Teams durch eine sinnorientierte Zielsetzung dazu anzuleiten, individuell wie auch als Team Sinn zu stiften und durch gezielte Reflexion lernen Teammitglieder, ihre Werte besser zu verstehen und diese in ihre Arbeit einzubringen.

Teamsupervision? Oder Teambuilding, Teamcoaching oder Teamentwicklung??

Die moderne Arbeitswelt stellt mehr als zuvor das Team in den Mittelpunkt. Läuft es im Betrieb nicht gut, lohnt sich ein Blick auf die Teamdynamiken. Oftmals lassen sich durch strukturierte Interventionen Teamdynamiken verbessern, die Resilienz im Team erhöhen und die Effektivität verbessern. Zu den Interventionen zählen neben der Teamsupervision, die Teamentwicklung, das Teamcoaching und Teambuilding. Allerdings werden diese Interventionsformen oft synonym verwendet, obwohl sie unterschiedliche Ziele, Methoden und zeitliche Rahmen umfassen.

Die jeweiligen Interventionsformen beziehen sich auf sehr wohl komplementäre, jedoch distinkte Ansätze, um die Zusammenarbeit zu verbessern. Teamsupervision zielt stärker ab auf die Reflexion bestehender Strukturen abzielt, während Teamentwicklung dazu dient, den natürlichen Reifungsprozess von Teams zu begleiten. Teamcoaching wird oftmals kurzfristig eingesetzt, um konkrete Leistungen zu steigern. Und Teambuilding kommt dann zum Einsatz, wenn man die zwischenmenschliche Kohäsion in der Gruppe durch Aktivitäten fördert.

Folgende Charakteristika, Anwendungsbereiche und Abgrenzungen lassen sich unterscheiden.

1. Teamsupervision

Professionelle Teamsupervision ermöglicht die Reflexion und Optimierung der Zusammenarbeit im Team und im Unternehmen, um Konflikte zu lösen, die Kommunikation zu verbessern und die Effektivität zu steigern. Zentral ist dabei, über reine Effizienzsteigerung hinauszugehen und direkt Sinnfragen im Arbeitskontext und damit den Unternehmenszweck (purpose) zu adressieren. Teamsupervision ist damit langfristig angelegt. Ziel ist das Teamwork als Team zu reflektieren und zu analysieren. Ist der Rahmen durch die Sinnfrage im Arbeitskontext gesetzt, liegt im Weiteren der Fokus auf den zwischenmenschlichen Dynamiken, konkreten Arbeitsprozessen und gemeinsamen Herausforderungen.

2. Teambuilding

Sollen neue Teams gebildet oder der Teamgeist einer bestehenden Gruppe gestärkt werden, können durch Workshop- oder Outdoor-Events ein Weg in ein vertrauensvolles und sicheres Miteinander gebahnt werden. Vertrauen, Kommunikation und Zusammenarbeit außerhalb des gewohnten Arbeitskontexts erlaubt es, dass man sich noch einmal neu und anders kennenlernt. Sympathien werden aufgebaut, Antipathien werden abgebaut. Hier ist die Zeitperspektive eher kurzfristig. Spaß, Spiel und Geselligkeit sind hier das Schmiermittel.

3. Teamcoaching

Hier geht es meist um spezifische Probleme und Konflikte. In einem Teil geht es auch um die Selbsthilfefähigkeit der Gruppe. Der Coach oder Supervisor unterstützt das Team vor allem Moderator, er wird als externer hinzugerufen, weil das Team für sich ein Problem erkannt und bearbeiten will. Ist das Ziel erreicht, ist der Prozess abgeschlossen. Das Ziel ist meist sehr konkret und handlungsorientiert oder weniger an Grundsatzfragen orientiert. Die Teams können größer und auch kleiner sein.

4. Teamentwicklung:

Sie setzt bestehende Teamstrukturen- und prozesse als gegeben voraus. In einer Entwicklung soll diese verändert und mittel- und langfristig verbessert werden, um im besten Fall die Leistungsfähigkeit des Teams zu steigern. Hier kommen die Teamphasen von Tuckman zum Tragen: forming, storming, norming, performing. Oftmals wird hier zunächst der Teamleiter aktiv. Oder die Unternehmensleitung. Es geht hier auch nicht um punktuelle Maßnahmen, auch wenn diese oft mit einschließt.

Zusammenfassend die Unterschiede so darstellen:

Warum Teamsupervision in meinem Unternehmen?

Teamsupervision hat sich längst in privatwirtschaftlichen Unternehmen etabliert, und zwar aus strategischen Gründen. Sie wird genutzt, um arbeitszogene Herausforderungen in Teams zu bewältigen hat. Teamsupervision ist wichtig, um die psychosoziale Gesundheit der Mitarbeitenden zu schützen. Sie unterstützt darüber hinaus auch die betriebliche Effizienz dadurch, dass die Kommunikation im Team verbessert und Konflikt zwischen Teammitgliedern frühzeitig gelöst werden.

Die konkreten Anwendungsfelder für Teamsupervision sind vielfältig und die positiven Auswirkungen auf die Organisationskultur gravierend. Folgende Bereiche lassen sich definieren:

1. Verbesserung der Teamarbeit und Kommunikation

Die Teamsupervision eröffnet einen Reflexionsraum für das Team, in dem gemeinsam die Rollen geklärt, die Aufgaben verteilt und Arbeitsprozesse besprochen werden können. Diese gemeinsame Reflexion verbessert die Zusammenarbeit und erhöht die Effektivität, wenn Aufgaben erfüllt werden.

Für eine gute Zusammenarbeit ist es auch zentral, dass Konflikte offen angesprochen werden. Das ist im normalen Betrieb oftmals nicht möglich, kann aber im Rahmen einer Teamsupervision geschehen und so zu einem guten Arbeitsklima beitragen.

2. Steigerung der Produktivität und Effizienz

Wie bereits angedeutet, können durch regelmäßgie Teamsupervision Projekte schneller und mit weniger Reibung umgesetzt werden, wenn die Kommunikation verbessert und die Rollen im Team geklärt werden.

Durch Zeitinseln für die gemeinsame Reflexion können außerdem Fehler vermieden und Teammitglieder besser in Entscheidungen eingebunden werden. Auch das steigert die Qualität der Arbeit und senkt in der Folge Kosten.

3. Stressbewältigung und Prävention

Nichts ist problematischer für ein Team als wenn einzelne Teammitglieder ausfallen. Teamsupervision bietet die Chance, stressige Situationen gemeinsam durchzustehen und sich gegenseitig zu unterstützen. Sie erlaubt auch gemeinsam Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln oder zu justieren. Die Resilienz des Teams bewahrt so auch den Einzelnen vor dem Burnout.

4. Förderung von Innovation und Kreativität

Teamsupervision ist besonders relevant für dynamische Branchen, die auf innovative Lösungen setzen. Denn die gemeinsame Reflexion im supervisorischen Setting unterstützt Perspektivenverschiebung und Kreativität. Sie bietet die Chance für das Neues.

5. Langfristige Vorteile für Unternehmen

Mitarbeiterbindung ist ein ganz großes Thema in Zeiten von Fachkräftemangel. Wenn Teamsupervision zum Einsatz kommt, um die Unternehmenskultur zu stärken, dann können sich auch Vertrauen, Offenheit und gegenseitigen Respekt weiter entwickeln. Genau diese Eigenschaften sind für Mitarbeiter attraktiv und reduzieren Fluktuation.

Mit einem Wort, Teamsupervision bietet einen Weg, nicht nur die Qualität der Arbeit zu verbessern, sondern auch das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu fördern. Diese beiden Momente in Kombination macht sie für privatwirtschaftliche Unternehmen äußerst wertvoll.