Der Mensch im Zentrum existenzieller Führung

Ein Unternehmen baut auf strategisches Denken. Aber was ist ein Unternehmen ohne Menschen? Führung erfordert mehr als nur Strategie. Der Mensch muss ins Zentrum gerückt werden. Existenziell Führen bedeutet genau das: Primär den Menschen zu sehen, dann erst den Mitarbeiter. Damit kommt die Frage nach Sinn ins Spiel als originäre Motivationskraft des Menschen. Niemand hat das besser durchdacht als Viktor Frankl. Wichtig für jede Führungskraft ist, dass letztlich nicht nur ihr Gegenüber existenziell geführt wird. Es fängt an ursprünglich in der Selbstführung.

Auf dieser Basis ist es möglich,

– auch in beruflichen Beziehungen Authentizität und Vertrauen zu fördern,

– jeden Mitarbeiter als Individuum zu sehen und in seiner Einzigartigkeit zu respektieren,

– und so letztlich die Verantwortung für das größere Ganze zu übernehmen.

Existenzielle Führung basiert also auf der Idee, dass Führungskräfte selbstverständlich organisatorische Ziele verfolgen, aber eben darüber hinausgehen. Sie wollen auch die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit und die ihrer Mitarbeitenden fördern. Frankl betonte, dass der Mensch nach Sinn strebt und dass dieser Sinn durch das Erleben von Werten – schöpferischen, Erlebnis- oder Einstellungswerten – entsteht. Das ist im Prozess der Arbeit deutlich herauszustellen und als Horizont des eigenen Tuns immer wieder herauszuarbeiten.

Es gibt sehr konkrete Werkzeuge, die es jeder Führungskraft Frankls Herangehensweise anzuwenden.

1. Sinnorientierung: Mitarbeitende werden im Dialog ermutigt, ihre Arbeit als Teil eines größeren Ganzen zu verstehen.

2. Einstellungsmodulation: Es ist im Weiteren auch möglich, jede schwierige Situation durch eine veränderte Perspektive positiv gestaltet werden kann.

3. Sokratischer Dialog: Reflexion und Eigenverantwortung lassen sich durch gezielte Fragen fördern.

Auf diesem Weg lassen sich Resonanzen herstellen, die auf vier Ebenen zum Tragen kommen. Diese vier Ebenen werden auch als Grundmotivationen bezeichnet, die das Menschsein in seiner Psychodynamik ausmachen und insofern gestillt werden müssen.

1. Existenzielle Sicherheit: Im unternehmerischen Umfeld heißt das, ein stabiles und übersichtliches Umfeld zu schaffen.

2. Beziehung: Hierbei steht im Zentrum authentische Verbindungen im Team und zwischen Team und Teamleitung zu fördern.

3. Freiheit: Jede*r Mitarbeiter*in braucht eine Ermöglichung zu eigenverantwortlicher Entscheidung.

4. Sinn: Wenn diese verschiedenen Dimensionen eingelassen sind in die Sinnfindung im Arbeitskontext, gibt es auch einen Blick auf ein Morgen.

Fazit

Existenzielle Führung ist mehr als ein Führungsstil. Es geht um eine Haltung, die für jede Person und Mitarbeiter*in spürbar vorgelebt wird. Diese Haltung fordert uns dazu auf, über Ziele hinauszugehen und den Menschen in seiner Ganzheit zu sehen – als Wesen, das nach Sinn strebt. In einer Zeit des Wandels kann dieser Ansatz Organisationen nicht nur stabilisieren, sondern auch inspirieren.

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